Mario Adorf feiert seinen 75. Geburtstag


--Von ddp-Korrespondentin Marina Antonioni--

Berlin/München (ddp-bay). Mario Adorf hat einen großen Wunsch zum Geburtstag: Bloß keine "Beweihräucherungen", keine "Lobhudeleien" - und vor allem keine "Fernseh-Gala-Abfeierei". So etwas findet er schrecklich. Anstatt sich feiern zu lassen, will er lieber selbst feiern. Und so schenkt er sich zu seinem 75. Ehrentag am Donnerstag und damit auch zum 50-jährigen Bühnenjubiläum einen musikalischen Theaterabend im Münchner Prinzregententheater.

Adorf gehört zu den beliebtesten Schauspielern Deutschlands. In rund 200 Filmen stellte er seinen Facettenreichtum unter Beweis. Mal war er Mörder, Western-Schurke oder Mafioso, mal provinzieller Geschäftsmann, intriganter Politiker, tragik-komischer Restaurantbesitzer oder aktuell Literatur-Nobelpreisträger.

Adorf drehte mit Regie-Größen wie Claude Chabrol, Billy Wilder, Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder und Sam Peckinpah. Mit dem Titel "Weltstar" kann er dennoch nichts anfangen. Deutschland habe seit Marlene Dietrich keinen Weltstar mehr gehabt, sagt er.

Als naiv-brutaler Massenmörder feierte Adorf 1957 im Oscar-nominierten Film "Nachts, wenn der Teufel kam" seinen Durchbruch. Die Rolle brachte ihm seinen ersten Bundesfilmpreis und legte ihn lange Zeit auf die Gestalt des Schurken und Ganoven fest. "Beim jungen Adorf gab es so eine Eckigkeit", sagt Regisseur Schlöndorff im ddp-Gespräch. Weil er wie "ein exotischer Typ" gewirkt habe, sei er damals immer als Bösewicht eingesetzt worden.

Als Sohn eines italienischen Chirurgen und einer elsässischen Röntgenassistentin kam Adorf am 8. September 1930 in Zürich zur Welt. Seinen Vater sah er nur einmal kurz in seinem Leben. Mit seiner Mutter wuchs er im Eifelstädtchen Mayen auf. Die Eifel sei seine Heimat, betont Adorf im ddp-Interview. "Da habe ich alles, was ich so bin, mitbekommen - meine Kindheit, meine Kinderlieder, den Dialekt, den ich sehr oft benutze." Zu Hause sei er dagegen überall. Nach Jahrzehnten in Italien und Frankreich ist derzeit München wieder sein "Hauptwohnsitz".

Adorf studierte zunächst in Mainz und Zürich Philosophie und Theaterwissenschaften. Seine Schauspielausbildung absolvierte er von 1953 bis 1955 an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule. Anschließend gehörte er dem Ensemble der Münchner Kammerspiele an.

Mitte der 60er Jahre machte Adorf Rom zu einem neuen Zuhause, bewies sich im italienischen und französischen Film in schwierigen Charakterrollen. In den 70er Jahren fand er Anschluss an den "Neuen deutschen Film". Er spielte in Schlöndorffs "Die verlorene Ehre der Katharina Blum", in der "Blechtrommel" und in Rainer Werner Fassbinders "Lola".

Als einen Höhepunkt seiner TV-Karriere feierten die Kritiker 1986 Adorfs Darstellung des provinziellen Klebstofffabrikanten Haffenlohner in Helmut Dietls Serie "Kir Royal". Auch unter der Regie von Dieter Wedel glänzte Adorf in den Mehrteilern "Der große Bellheim", "Der Schattenmann" und "Die Affäre Semmeling".

Von Leinwand und Bildschirm kehrte er zwischendurch immer wieder zur Bühne zurück. Einen Stilunterschied habe es für ihn nie gegeben. "Ich sehe mich in erster Linie als Schauspieler", meint er. Seit Jahren ist Adorf darüber hinaus erfolgreicher Autor, Entertainer und Chansonnier. Mehr als 500 000 Exemplare seiner Bücher wurden in Deutschland bislang verkauft - gerade erschienen unter dem Titel "Mit einer Nadel bloß" die Erinnerungen an seine 1998 verstorbene Mutter.

Für die Zukunft hat sich Adorf, der seit 1985 mit der Französin Monique Faye verheiratet ist und eine Tochter aus erster Ehe mit Lis Verhoeven hat, etwas vorgenommen, was ihm bisher noch gar nicht gelinge: "Ein bisschen weniger zu machen und mich ein bisschen mehr aufs Altenteil zu setzen."

Mit seiner Jubiläumstour "Da Capo, Mario" wird das Multitalent in sechs Städten auftreten, auch seine Tochter Stella-Maria wird auf der Bühne stehen. Einen Tag nach seinem Geburtstag ist Adorf in der ARD (21.45 Uhr) in Schlöndorffs Verfilmung des Zwei-Personen-Bühnenstücks "Enigma" als Literatur-Nobelpreisträger zu sehen.

Quelle: www.theaterkanal.de


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