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Es ist alles in Ordnung mit mir |
Herr Adorf, Sie sind Halbitaliener. Schlüpfen Sie deshalb gerne in die Rolle eines italienischen Don?
Mario Adorf: Ich habe damit keine Schwierigkeiten. Aber ich fühle mich nur als halber Italiener, habe ja auch deutsche Wurzeln. Natürlich kann ich meine Gene einbringen.
Sind Sie denn von der Mentalität her mehr deutsch als italienisch?
Mario Adorf: Ich glaube eher nicht. Aber in Italien gelte ich eher als Ausländer bei den Leuten, die mich persönlich kennen. Für das Publikum bin ich jedoch ein richtiger Italiener. Und das ist ein Zeichen, dass man mir meine Figuren auch abnimmt.
Was hat Sie für das Drehbuch „Vera - die Frau des Sizilianers“ eingenommen?
Mario Adorf: Eine spannende Geschichte, eine zwar kleine, aber gute Rolle für mich darin. Mal kein böser Mafioso, sondern ein menschlich empfindendes Familienoberhaupt, einer, der sich kümmert. Und dass ich mal in einem Rollstuhl agieren konnte, ist ja für Schauspieler ein ziemlich beliebtes Requisit - so schrecklich es eigentlich ist, wenn jemand gehandicapt ist.
Hat es Sie keine Überwindung gekostet, sich da die ganze Zeit reinzusetzen?
Mario Adorf: Nein, das ist mir aber lieber, als einen Todkranken, zum Beispiel einen Krebspatienten zu spielen. Mit gewaltsamen Filmtoden habe ich kein Problem. Aber ich möchte keinen dahinsiechenden Menschen spielen. Ich habe auch mal einen Film („Zwei Asse und ein König“) abgesagt, weil ich diesen König, der an Krebs verendet, einfach nicht darstellen wollte und konnte. Das hat dann Martin Benrath gemacht, der bald darauf verstorben ist.
Was macht Ihre Gesundheit?
Mario Adorf: Ich war gestern erst beim Arzt, weil ich einen neuen Film angehen möchte. Es ist alles in Ordnung mit mir.
Sie werden im Herbst 75, denken aber gar nicht daran, kürzer zu treten?
Mario Adorf (lächelt): Denken schon, aber es kommen ja immer noch so viele gute Angebote.
Nun werden Sie dieses Jahr nicht nur 75, sondern sind auch noch 50 Jahre im Geschäft...
Mario Adorf: Das macht ein bisschen melancholisch, zugegeben.
Sie konnten Ihr neues Werk „Vera, die Frau des Sizilianers“ heute auf einer Kinoleinwand sehen. Hat es Ihnen gefallen?
Mario Adorf (lächelt): Der erste Teil des Films ist mir immer noch sehr fremd, weil ich darin ja kaum vorkomme. Ich hänge mehr am zweiten Teil. Ich weiß nicht, ob es so glücklich ist von der ARD, ausgerechnet am Karfreitag so eine Liebesgeschichte anlaufen zu lassen.
Spielen Sie weiter Theater?
Mario Adorf: Nein, es strengt doch sehr an. Aber zu meinem 75. Geburtstag möchte ich noch mal was machen. Franz Wittenbrink bereitet ein Stück mit Gesang vor. Damit werde ich noch ein paar Städte wie München, Berlin, Frankfurt. Hamburg und Wien bereisen und mich damit vom Theater verabschieden. An meinem Geburtstag am 8. September bin ich wohl in München auf der Bühne.
Das Fernsehen macht keine Gala-Show mit Ihnen?
Mario Adorf: Man wollte eine übliche Geburtstags-Gala mit mir machen, wo viele Gäste Reden halten sollten. Aber das behagt mir nicht. Ich habe dann vorgeschlagen, selber etwas auf die Beine zu stellen. Und jetzt wird das Wittenbrink-Stück mit mir aufgezeichnet und später gesendet.
Vera - Die Frau des Sizilianers (1) FR 20.15 ARD| 2.Teil: SO 27. März
Quelle: rtv, Ausgabe 11/2005
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